Angewandte Musik

Alle Musik ist angewandte. Bei manchen Aufführungen ist es deutlicher als bei anderen, die Unterschiede sind graduell. Kaufhausmusik ist am einen Ende der Skala, Konzertmusik am anderen.

Konzertmusik wird angewendet, um Hörgewohnheiten zu erweitern, die Zeit außer Kraft zu setzen, die Vergänglichkeit zu sublimieren, das Leben zu spiegeln, die Seele von Struktur zu erzählen. Kaufhausmusik wird angewendet, um eine kauffreudigere Atmosphäre zu schaffen. Im Theater ist angewandte Musik etwas komplexer als im Kaufhaus. Manchmal vertieft sie szenische Wirkungen, manchmal wird sie angewendet, um Zeit für den Bühnenumbau zu gewinnen.

Gut tut es fast immer, wenn eine Musik hörbar darum weiß, wofür sie angewendet wird. Daher wäre es sinnvoll, nicht mehr zwischen angewandter und autonomer Musik unterscheiden, sondern zwischen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Man könnte an jede Komposition und an jede Aufführung oder jeden Musikeinsatz erneut die Frage stellen, wofür sie angewendet wird. Uraufführungen werden manchmal dafür angewendet, die Zahl der Uraufführungen im Programm zu erhöhen. Die so angewendeten Kompositionen werden daher konsequenterweise meist nur dieses eine Mal gespielt. Seit neue Musik als Neue Musik verkauft wird, ist sie nur so lange anwendbar, wie sie neu ist.

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