Angewandte Musik

Alle Musik ist angewandte. Es ist ein komplexer Begriff. Musik wird angewendet für etwas. Musik als Werkzeug oder Medizin mit Anwendungsbeispielen. Bei manchen Aufführungen ist es deutlicher als bei anderen. Es gibt Unterschiede, aber sie sind graduell. Kaufhausmusik ist am einen Ende der Skala, Konzertmusik am anderen.

Wofür wird Konzertmusik angewendet? Um Menschen zu unterhalten, zu bilden, zu bewegen, zu berühren, ihre Hörgewohnheiten zu erweitern, die Zeit außer Kraft zu setzen, die Vergänglichkeit zu sublimieren, das Leben zu spiegeln, die Seele von Struktur zu erzählen. Kaufhausmusik dagegen hat weniger vielfältige Anwendungen, sie wird einfach angewendet, um eine kauffreudigere Atmosphäre zu schaffen. Im Theater ist angewandte Musik schon etwas komplexer als im Kaufhaus. Manchmal vertieft sie szenische Wirkungen, manchmal wird sie angewendet, um Zeit für den Bühnenumbau zu gewinnen.

Gut tut es fast immer, wenn eine Musik darum weiß, und zwar hörbar darum weiß, wofür sie angewendet wird. Daher wäre es sinnvoll, nicht mehr zwischen angewandter und autonomer Musik unterscheiden, sondern zwischen den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Man könnte an jede Komposition und an jede Aufführung oder jeden Einsatz erneut die Frage stellen, wofür sie angewendet wird. Uraufführungen werden manchmal dafür angewendet, die Zahl der Uraufführungen im Programm zu erhöhen. Die so angewendeten Kompositionen werden daher konsequenterweise meist nur dieses eine Mal gespielt.

Jedenfalls wäre das ein Ziel: bewusst angewandte Musik schreiben.

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